Bruno Feger – Info

Imposant, nahezu fantastisch erscheinen uns die monumentalen Blüten und Gewächse aus Stahl, Wachs und Harz, die Bruno Feger ihrer eigentlichen Bestimmung und der uns vertrauten Form entrückt und sie im öffentlichen Raum und der Natur platziert. Als einzelne Pflanze isoliert oder aber in Gruppen zusammengeführt ragen sie ganz selbstverständlich hier und da stählern gen Himmel. So folgt unser Blick beispielsweise einem mehrere Meter langen Stahlrohr, das in geschwungener Form und doch ganz statisch senkrecht in den Himmel ragt. An seiner Spitze entfalten sich zwei, aus kleinen Materialplättchen zusammengesetzte, oval geformte Stahlblätter. Die Schweißnähte sind noch deutlich sichtbar. Die zuvor aus einer großen Stahlplatte entnommenen Einzelteilchen werden so zu einer neuen Form zusammengefügt.

„Teilung und Zusammensetzung sind ein Widerspruch, aber lebensnotwendig.“ Auf diese Weise beschreibt Bruno Feger die Impulsgebung für den Herstellungsprozess, der für ihn einen elementaren Stellenwert hat und nicht allein zur Vollendung eines Kunstwerks dient, sondern selbst bereits Teil des Kunstwerkes ist. Zugleich wird hierin seine Faszination für Gegensätze sowohl hinsichtlich Material und Werkprozess als auch in Bezug auf den Bedeutungswert seiner Arbeiten deutlich.
Nicht zuletzt durch die leuchtend farbig gefasste Materialoberfläche erklärt sich das Objekt für den Betrachter als Blumengewächs. Der Künstler verlässt sich hier ganz auf das Erfahrungspotential des Betrachters und seine Assoziationsfähigkeiten, die der Skulptur ihre Funktion und Bedeutung ermöglichen. Er schafft eine intensive Verbindung zwischen Skulptur und Betrachter, die diesem völlig neue Erfahrungsbereiche eröffnet.
Bruno Feger geht mit seinen Werken den Weg der Konfrontation, sowohl hinsichtlich der Beziehung zwischen Betrachter und Objekt, als auch im Hinblick auf das Verhältnis von Natur und Objekt. Hat er seine Skulpturen doch nach Urtypen formuliert, die sich in der Natur wiederfinden, stellt er sie anschließend in genau diese zurück.
Als eine Art Exempel erscheinen sie im Außenraum. Ihr Material stellt die sie umgebende Natürlichkeit auf drastische Weise in Frage und doch fügen sich die aus starrer Substanz gebildeten Formen beinahe schwingend in die Bewegungen des Außen ein. Ein mit seiner Umgebung harmonisierender Fremdkörper, der zugleich Einstimmigkeit zu bewirken scheint. Es entsteht ein kontrastreicher Dialog aus Dauer und Vergänglichkeit, Realität und Fiktion, Distanz und Nähe.
Auch der Betrachter kann diesem Spannungsfeld kaum entgehen, steht er den monumentalen Pflanzen, Blumen und Gräsern gegenüber, die die geläufigen Größenrelationen völlig missachten und ihn in ganz neue, ungewohnte Perspektivenverhältnisse schleusen.

In ihren jeweiligen temporären Standort integriert scheint es, als seien die Skulpturen ein Teil der sie umgebenden Landschaft und nie zuvor bewegt worden. Und doch ist man als Betrachter trotz der scheinbaren Harmonie schnell irritiert und beginnt, das Gesehene zu hinterfragen. Unser Wissen um die Natur und ihre Erscheinungsformen lässt uns auf Anhieb begreifen, welche Pflanzenarten uns hier gegenüberstehen, uns sogar überragen. Die Tulpe, die Hagebutte oder die einfachen Gräser – alle sind sie uns durch ihre Form, Farbe und ihren Platz in der Natur vertraut. Durch diese uns bekannten Naturformen schafft Bruno Feger die Verbindung zwischen Kunst und Betrachter. Wir werden spontan und wie von selbst ganz dicht an die Objekte herangezogen, können sie von allen Seiten betrachten, umlaufen und sogar zum Teil durchlaufen. Gleichzeitig fordert uns der Künstler heraus. Er transportiert die uns bekannten, augenscheinlich gewöhnlichen Gewächse in überdimensionale Formen und lässt sie in ihrem wohl schönsten Wachstum und mit stählerner Struktur, aller Vegetation zum Trotz, gen Himmel wachsen. Auf diese Weise eröffnet sich eine neue Erfahrungswelt, die über das real Sichtbare hinauszugehen scheint.

Im Ausgangspunkt der Kunst Bruno Fegers scheint fast immer der Versuch zu liegen, Gegenstand und Zeichen in ein Verhältnis zueinander zu setzen, sie miteinander zu verbinden aber auch gegeneinander auszutauschen.
Er kreiert seine Blumen und anderen Gewächse als Idealbilder, unvergänglich als Momentaufnahme in ihrem schönsten Wachstumsstand, vom Betrachter auch in ihrer abstrahierten Form und Farbe erkennbar. Die Symbolkraft der Pflanzen selbst, aber auch die ihrer Farbe (oftmals das satte Rot, Blau oder Grün) scheint dabei deren Bedeutung unmittelbar für den Betrachter zu entfalten:
Die Heilkraft der Hagebutte, das satte Rot der Tulpen, das sowohl Leidenschaft und Fruchtbarkeit als auch Gefahr signalisiert. Oder aber das Gras, das in der Natur am Wegrand oder unter unseren Füßen oftmals wenig wahrgenommen wird, hier aber  isoliert als Einzelobjekt die ganze Aufmerksamkeit des Betrachters gewinnt und dessen Farbe gleichermaßen für Hoffnung und Wachstum steht.
Es sind die formalen wie inhaltlichen Gegensätze und Kontraste, die die Skulpturen Bruno Fegers zum Sprechen bringen. Die Vergänglichkeit wird in Stillstand versetzt, die Natürlichkeit durch Künstlichkeit verdrängt, Größenverhältnisse außer Kraft gesetzt, das Reale zum Idealen gesteigert, Wirklichkeit und Realität werden hinterfragt. Durch die Aufstellung der eigentlich starren Skulpturen wird zudem Bewegung initiiert und ein Dialog mit dem sie umgebenden Raum eröffnet.
Durch diese idealisierende und kontrastreiche Darstellungsweise sowie ihre überdimensionale Größe, werden die Skulpturen zu markanten Zeichen im öffentlichen Raum, inmitten der Natur, nach deren Vorbild sie entstanden sind und in deren Mitte sie nun als Kontoverse ein Spannungsfeld schaffen, das die Wahrnehmung der Dinge neu formuliert und zugleich existenzielle Fragen aufwirft.
Auf ähnliche Weise, wie auch die Gewächse Bruno Fegers aus ihrem natürlichen Bestimmungsort entnommen und isoliert werden, um als Zeichen zu fungieren, werden auch gezielt Worte oder ganze Satzteile ihrem jeweiligen sprachlichen oder literarischen Kontext entzogen und als plastische Stahlobjekte frei in den Raum gestellt. Die Bedeutung der Worte ist dabei meist nur noch schwer zu entziffern, während sie für den Entstehungsprozess, den Umwandlungsprozess vom Zeichen zum Objekt, eine elementare Rolle spielen.
Bruno Feger experimentiert auch hier mit dem Verhältnis von Objekt und Bedeutung. Hier sind es Bilder, die nicht unmittelbar eine Assoziation in uns hervorrufen, obwohl sie in ihrer Ausgangsform einzig durch ihre inhaltliche Bedeutung getragen werden.
Wir müssen uns völlig darauf einlassen, die Formen, den Schattenwurf, die Bewegung und das Material wahrzunehmen, ohne auf Anhieb einen inhaltlichen Gedanken konkretisieren zu können.
Mit folgendem Satz beschreibt der Künstler selbst den Effekt seiner Stahlworte:
„Dieses Schleierhafte der Unähnlichkeit mit den Dingen, das wiederum die Dinge wahrhaftig macht.“
Anders als bei den Stahlblüten, -Gräsern und Pflanzen, wird hier das Zeichen selbst zu greifbarer Form gebracht, die Sprache zu einem dreidimensionalen Gebilde transformiert, das auf diese Weise ganz neue Bedeutungsebenen erreicht.